|      |      |      |      |      |      |      |

Doris Nicolussi, Hohenems



Reisebericht Sommer 2000


Im letzten Sommer lud Pfarrer Georg Thaniyath eine Gruppe aus Hohenems ein, einige der inzwischen gebauten Häuser zu besichtigen. Wir hatten Gelegenheit bei 23 Hauseinweihungen in einer der ärmsten Gegenden seiner Heimat-Diözese dabei zu sein. Pater Michael begrüßte uns sehr herzlich. Auf dem Weg durch das Dorf, wo es noch keine motorisierten Fahrzeuge gibt, wurde uns immer mehr bewusst, dass diese Menschen unsere Hilfe dringend benötigen. Ich glaube, dass sie jeden Tag darum beten und hoffen, dass auch ihr Traum von einem "Dach überm Kopf" eines Tages wahr werden wird. Ein einfaches Haus kostet € 1.300,--.

Es ist unvorstellbar, wie diese Leute in den zwei Monaten des Monsunregens in ihren Hütten aus Kokos- und Bananenpalmblättern auf dem gestampften Lehmboden leben können. Denn oft treten die Flüsse in dieser Zeit über die Ufer und viele Dörfer werden regelrecht überschwemmt. Die Regenzeit sollte eigentlich schon vorbei sein. Trotzdem hatte es in der Nacht vor unserem Besuch stark geregnet. Diese Regengüsse überfielen die Familien oft in der Nacht und das Wasser stand manchmal 15 cm hoch in und um die Hütten. Neben einem Haus, das wir einweihen durften, stand ein Vater mit zwei Kleinkindern auf dem Arm. Die Mutter der Kinder war in der Vorwoche verstorben. Eine andere Frau, die ihre beiden Töchter ins Waisenheim geben musste, bat uns weinend um Hilfe. Überall, wo wir hinkamen, waren dankbar beschenkte und bittende Menschen. Diese haben nur eines, nämlich die Hoffnung, dass hier in Europa Menschen leben, die sich von ihrer Not berühren lassen. Wir konnten vielen Menschen nur sagen: "Wir machen weiter". Es sind immer die Ärmsten in den verschiedenen Gemeinden, denen zuerst versucht wir zu helfen.

Inzwischen konnten durch das Projekt "Dach überm Kopf" schon 320 Häuser in Südindien gebaut werden. Hinter diesen Zahlen steckt eine Menge Arbeit. Wir versuchen eine Brücke zu bauen zwischen Arm und Reich, zwischen Indien und Europa. Unser Ziel ist es, dass die gespendeten Gelder auf direktem Weg vom Spender zum Bedürftigen gelangen. Unsere Liebe, Zeit und Geld für Christus einsetzen heißt: Wir dürfen unsere Augen nicht vor der Armut verschließen. Es gibt vor allem einen Grund, warum Gott einem Christen einen Überfluss schenkt: Ein solcher Mensch wird "reich", damit er genug hat um für die Not der anderen zu sorgen. Zum wahren Reichtum gehört immer die Gabe des Weiterschenkens.

Für die Ärmsten und Armen da sein, miteinander teilen, in jedem Menschen den Bruder und die Schwester sehen, das ist es, was Jesus gelebt hat und was er uns aufgetragen hat weiterzuführen.